{"id":270,"date":"2026-10-06T21:46:02","date_gmt":"2026-10-06T19:46:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theaterring-lohne.de\/?p=270"},"modified":"2026-10-06T21:54:09","modified_gmt":"2026-10-06T19:54:09","slug":"30-september-2026","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.theaterring-lohne.de\/index.php\/2026\/10\/06\/30-september-2026\/","title":{"rendered":"30. September 2026"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"border-width:5px;border-top-left-radius:70px;border-top-right-radius:70px;border-bottom-left-radius:70px;border-bottom-right-radius:70px;padding-top:var(--wp--preset--spacing--30);padding-right:var(--wp--preset--spacing--30);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--30);padding-left:var(--wp--preset--spacing--30)\">Shakespeare Company Bremen \/ Viel L\u00e4rm um Nichts<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Shakespeare, historisch korrekt? Mit Sicherheit nicht. Wir haben am 30. September in Lohne auch keine Auff\u00fchrung \u201eaus einem Guss\u201c gesehen. Was wir gesehen haben, ist ein Ensemble, das sich mit gro\u00dfer Kunstfertigkeit und geb\u00fchrender Respektlosigkeit an dem gro\u00dfen Vorbild bedient. Und gerade daraus ist f\u00fcr mich ein ebenso intelligenter wie unterhaltsamer Theaterabend mit der Shakespeare Company Bremen entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das B\u00fchnenbild denkbar sparsam: ein paar B\u00e4lle, silberne Ballons, eine Discokugel. Daf\u00fcr wird mit Licht, Kost\u00fcmen und Bewegung umso verschwenderischer gespielt. Zum Maskenball verwandeln fantastische bunte, glitzernde Lametta-Zottel-Kost\u00fcme die Darsteller in wilde Yetis, die zu Discomusik \u00fcber die B\u00fchne ziehen. Das Ganze erinnert eher an ein modernes Kunst-Happening als an Messina zur Zeit Shakespeares. Und obwohl die Zottelwesen unterschiedliche Farben tragen, verliere ich erstaunlich schnell vollkommen die Orientierung. Wer ist hier eigentlich wer? Ich muss genau zuh\u00f6ren und mir aus dem gesprochenen Text erschlie\u00dfen, was gerade geschieht. Ein Maskenball, bei dem die Maskierung mehr als gut funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberhaupt sind Verkleidung, Rollenspiel und Verwirrung Prinzip des Abends. Die m\u00e4nnlichen Liebenden Benedick und Claudio werden von Frauen gespielt, die Frauen Beatrice und Hero von M\u00e4nnern. Das erinnert mich zur H\u00e4lfte ein wenig an Shakespeares eigene Zeit, in der Frauen auf der B\u00fchne von M\u00e4nnern dargestellt wurden. Vor allem aber schafft der Gegensatz zwischen Darsteller*innen- und Rollenidentit\u00e4ten eine besondere Aufmerksamkeit f\u00fcr die vielen Geschlechterklischees, die in dem historischen St\u00fcck angelegt sind und die bis heute wirken. Da gibt ein Mann die keusche Liebende, die von einer Frau zu Unrecht der Untreue bezichtigt wird. Und die zotigen Witze, f\u00fcr die sich heute jedermann gerne sch\u00e4men d\u00fcrfte, werden mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit von Frauen gerissen. Frauen sprechen kumpelhaft \u00fcber ihre Kriegserlebnisse und ihre Heldentaten, und ein Mann probiert das Hochzeitskleid.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei wird das Handwerk nicht zugunsten der Illusion verborgen. Im Gegenteil: Die Kost\u00fcme werden im laufenden Spiel auf der B\u00fchne gewechselt, mit der Verkleidung ver\u00e4ndern sich K\u00f6rpersprache und Haltung. Man sieht nicht nur die Figuren, sondern immer auch die Schauspieler, die diese Figuren herstellen und die Kunst, mit der sie das tun &#8211; das macht mir beim Zuschauen besonderen Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberraschend sind auch manche Einf\u00e4lle. Claudios erster Blick auf Hero \u2013 die Liebe auf den ersten Blick \u2013 geschieht nat\u00fcrlich in Zeitlupe \u2013 Herzkino k\u00f6nnte sch\u00f6ner kaum sein. Die W\u00e4chter sind nicht hoch zu Ross unterwegs, sondern auf H\u00fcpfb\u00e4llen. Und das mit einer erstaunlichen Fertigkeit und Sprungh\u00f6he. Ihre Auftritte geraten zu einer slapstickartigen Performance.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch sonst ist viel los auf der B\u00fchne. Benedick und Beatrice liefern sich ihre messerscharfen Wortschlachten in einem Tempo, das mich schwindelig macht. Manchmal entsteht eine regelrechte kognitive \u00dcberladung. W\u00e4hrend ich noch eine gemeine Spitze zu erfassen versuche, ist die n\u00e4chste l\u00e4ngst vorbeigezogen. Shakespeare ist hier nicht ehrf\u00fcrchtig vorgetragener Klassiker, sondern Sprachmaterial, das mit Tempo, K\u00f6rper und Komik auf das Publikum losgelassen wird. Andererseits wird es vollkommen still im Saal, als Leonato seine verleumdete Tochter Hero beklagt. Gerade nach all der Bewegung, den Farben, dem Slapstick und dem Wortwitz bekommt dieser Moment besonderes Gewicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Licht erz\u00e4hlt dabei immer mit. Die W\u00e4chter treten mit Neon-Krawatten auf, die im Schwarzlicht leuchten. Wenn der Schurke Don John erscheint und seine Intrigen spinnt, wird die B\u00fchne in ein giftgr\u00fcnes D\u00e4mmerlicht getaucht. Subtil ist das nicht. Aber es hilft ungemein, die Verwechslungen des St\u00fccks zu durchschauen \u2013 und Subtilit\u00e4t ist ohnehin nicht das \u00e4sthetische Programm des Abends.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende l\u00f6st sich die Spannung gleich doppelt. Nicht nur finden die Liebenden endlich zusammen. F\u00fcr die letzte Szene wird auch der Geschlechtertausch aufgehoben. Endlich, m\u00f6chte man da sagen, w\u00e4hrend die Frage zur\u00fcckbleibt, ob es denn richtiger w\u00e4re: wenn die Frauen ihre Keuschheit bewahren m\u00fcssten und die M\u00e4nner zotige Witze rei\u00dfen d\u00fcrften. Die Verkleidung ist vorbei, das St\u00fcck am Ende. Ich frage mich auch: Was hat es denn mit der Liebe eigentlich auf sich, abseits dieser Klischees?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das alles ergibt keine Auff\u00fchrung aus einem Guss. Disco und Shakespeare, Happening und Herzkino, H\u00fcpfb\u00e4lle, Slapstick und pl\u00f6tzlich ernstes Schauspiel stehen ziemlich ungeniert nebeneinander. Die Shakespeare Company Bremen versucht nicht, Shakespeare zu konservieren. Sie nimmt ihn als Einladung zum Spielen \u2013 intelligent, kunstfertig und mit genau der Respektlosigkeit, die eine Kom\u00f6die vertragen kann. Ich kann das nur bewundern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Shakespeare Company Bremen \/ Viel L\u00e4rm um Nichts Shakespeare, historisch korrekt? Mit Sicherheit nicht. Wir haben am 30. September in Lohne auch keine Auff\u00fchrung \u201eaus einem Guss\u201c gesehen. Was wir gesehen haben, ist ein Ensemble, das sich mit gro\u00dfer Kunstfertigkeit und geb\u00fchrender Respektlosigkeit an dem gro\u00dfen Vorbild bedient. 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